Grundsätzliches vor der Hundeadoption

Hunde können wertvolle Partner auf Lebenszeit sein, wenn man verantwortungsvoll mit ihnen umgeht, ihre „Sprache“ versteht und auf ihre Bedürfnisse achtet. Überlegen Sie immer sorgfältig und gründlich, ob Sie und ALLE anderen Familienmitglieder tatsächlich  und langfristig dazu bereit sind, ein Hundeleben lang für das ausgewählte Tier da zu sein, sich einzusetzen, es menschlich, medizinisch und finanziell zu versorgen und dafür auch mal Kompromisse einzugehen!

Stellen Sie sich vor der Anschaffung eines Hundes immer folgende Fragen:

  • Kann ich den Hund sein ganzes Leben lang behalten und versorgen?
  • Sind alle Familienangehörigen / Mitbewohner mit genau diesem Hund einverstanden?
  • Bekomme ich die Genehmigung meines Vermieters zur Hundehaltung?
  • Habe ich die finanziellen Mittel für Pflege, gutes Hundefutter und anfallende Tierarztkosten (die schnell mal in den vierstelligen Bereich gehen können)?
  • Weiß ich, welche monatlichen Kosten auf mich zukommen können?
  • Kann und möchte ich täglich ausreichend Zeit für das Tier aufbringen?
  • Was mache ich im Urlaub oder bei Krankheit mit dem Hund?
  • Kann ich auf liebgewonnene Dinge oder Gewohnheiten zugunsten meines Hundes verzichten?
  • Bin ich dazu bereit, mich auch bei neuen oder schon bestehenden Problemen immer wieder für meinen Hund zu entscheiden, mich fortzubilden, Lösungen zu erarbeiten und mich dabei (wenn nötig) auf die Hilfe von Trainern / Tierärzten einzulassen?

Sollten Sie mit einem der genannten Punkte Schwierigkeiten haben, denken Sie bitte noch einmal gründlich über den Hundewunsch nach und stellen Sie ihn gegebenenfalls einfach noch ein wenig zurück bis alle Punkte geklärt sind.

Tipps für den Einzug

Ein Hund aus „zweiter Hand“ zieht ein

Wir freuen uns darüber, dass Sie einem unserer Schützlinge ein neues Zuhause schenken und wünschen Ihnen und Ihrem neuen vierbeinigen „Mitbewohner“ eine tolle gemeinsame Zeit!
In den ersten gemeinsamen Tagen sind die Freude und die Aufregung oft so groß, dass man einige Selbstverständlichkeiten im Trubel und in der Freude schnell einmal vergisst. Deshalb haben wir für Sie hier eine Reihe von Tipps für einen gelungenen Einzug zusammengestellt.

Der Tag des Einzugs

Bitte bereiten sie dem Hund vor seiner Ankunft schon einen Platz an einem ruhigen Ort (ohne „Durchgangsverkehr“) vor und stellen sie ihm Wasser und eventuell auch schon Futter bereit. Wenn der Hund den vorgesehenen Platz nicht direkt annimmt und sich einen eigenen Ruheort sucht, seien Sie nicht enttäuscht. Vielleicht ist der Platz, den Sie sich ausgesucht haben, aus der Sicht des Hundes nicht sicher genug, deshalb zwingen Sie ihn bitte nicht dort zu liegen, wo Sie es vorgesehen haben. An seinem persönlichen Platz sollten Sie und andere Familienmitglieder ihn auch in Zukunft nicht stören, hierhin kann Ihr Hund sich immer dann zurückziehen, wenn er in Ruhe gelassen werden möchte.

Lassen Sie Ihren Hund ganz in Ruhe in seinem neuen Zuhause „ankommen“, sprechen Sie ihn ruhig und freundlich an aber bitte bedrängen Sie ihn keinesfalls.

Gerade Hunde, die gerade erst ihr Zuhause verloren haben oder schon einige Zeit in einer Pflegestelle waren und sich dort an die Pflegeeltern gebunden haben, leiden eventuell direkt nach dem Umzug. Auch wenn es schwer fällt, bitte lassen sie den Hund unbedingt auch in diesem Fall erst einmal in Ruhe, gönnen Sie ihm Abstand und warten Sie, bis er von sich aus auf Sie zukommt. Ablenkungs- und Beruhigungsversuche wie Streicheln, auf den Arm nehmen, zum Spiel animieren, Gassi gehen usw. können von einem Hund in dieser Situation als zusätzlicher Stress oder sogar als Bedrohung empfunden werden. Sollte ein Hund in einer der vorgenannten Situationen ausweichen, demonstrativ den Blick abwenden, sich wegducken oder knurren, bittet er Sie damit um Abstand. Bitte akzeptieren Sie dies in jedem Fall!

So gerne Sie den Hund verständlicherweise vielleicht am liebsten direkt all Ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn vorstellen möchten –> bitte sorgen Sie dafür, dass ihr Hund in den ersten Tagen nur die Menschen in Ruhe kennenlernen kann, mit denen er in Zukunft auch zusammenleben wird.

Bitte gehen sie nicht erst direkt am Einzugstag mit dem Hund Leine, Geschirr und/oder Halsband kaufen. In Absprache mit der Pflegestelle kann dies schon vor dem Umzug erledigt werden, oftmals kann aber das Zubehör, dass der Hund bereits trägt und kennt, auch gerne gegen eine kleine Spende von unserem Verein übernommen werden. Sie können das Führgeschirr / Halsband in den ersten Tagen problemlos dauerhaft am Hund belassen, ohne dass es ihm schadet. Ihr neues Familienmitglied ist oft schon mit dem Zubehör vertraut und Sie ersparen ihm so den „Stress“, den das An- und Ausziehen jedes Mal aufs Neue bedeutet, so lange der Hund Sie noch nicht gut kennt.

Das kleine und große „Geschäft“

Bitte haben Sie Geduld und tragen es dem Hund nicht nach, falls ihm zu Anfang das eine oder andere „Malheur“ passiert und er sein Geschäft in der Wohnung verrichtet. Welpen können ihre Blase oft noch nicht gut kontrollieren. Hunde, die erst vor Kurzem aus schlechter Haltung, aus dem Zwinger oder von der Straße kamen, wissen vielleicht noch gar nicht so genau, wie es ist, in einem Haus zu leben. Aber auch erwachsene Hunde, die in ihrem alten Zuhause oder der Pflegestelle bereits stubenrein waren, reagieren bedingt durch den Stress und Aufregung in der neuen Umgebung manchmal kurzfristig mit Unsauberkeit.

Bleiben Sie in diesen Situationen bitte einfach gelassen, schimpfen oder schreien Sie nicht hysterisch „Pfui“ oder „Aus“ oder versuchen gar, den Hund zu „Erziehungszwecken“ mit der Nase in seine Notdurft zu drücken. Der Hund versteht nicht, was er in Ihren Augen falsch gemacht hat und verliert im schlimmsten Fall das Wenige an Vertrauen, das er schon zu Ihnen aufgebaut hat. Räumen Sie den teuren Teppich in der Anfangszeit vorsichtshalber in den Schrank, beobachten Sie die Signale ihres Hundes und bieten Sie ihm ausreichend Möglichkeiten sich zu lösen. Bei Welpen ist die „Pieselgefahr“ in der Regel direkt nach ausgiebigem Spielen, Fressen oder Schlafen am Größten. Beseitigen Sie gefundene Pfützen und Haufen in der Wohnung einfach kommentarlos und freuen Sie sich zusammen mit ihrem Hund wie ein Schneekönig über jedes kleine und große Geschäft, das er draußen erledigt.

Die Anfangszeit mit ihrem neuen Mitbewohner

Bitte machen Sie in den ersten Tagen keine allzu großen Spaziergänge. Schon die neue ungewohnte Umgebung rund um ihr Zuhause ist unheimlich aufregend und voller neuer Eindrücke und Gerüche, die ihr Hund erst einmal kennenlernen und verarbeiten muss.

Ihr Hund muss erst mal in Ruhe bei Ihnen ankommen und lernen, wo er ab heute eigentlich hingehört. Daher nehmen Sie ihren neuen Mitbewohner bitte nicht direkt mit zu ausführlichen oder aufregenden Unternehmungen (Einkaufen, Restaurant, Besuch bei Freunden, Familienfeste …..).

Lassen Sie den Hund in der Anfangszeit NIE ohne Leine laufen und leinen Sie ihn auch später erst dann ab, wenn Sie sicher sind, dass ihr Hund auf Rückruf sofort zu Ihnen zurückkommt. Er kennt Sie und die neue Umgebung noch nicht gut genug um im Fall eines Entlaufens zu Ihnen oder seinem neuen Zuhause zurückzufinden. Achten Sie bitte IMMER GEWISSENHAFT darauf, dass Sie und ihr Besuch die Haus-, Balkon- und Gartentür stets so öffnen und hinter sich schließen, dass der Hund nicht unbeabsichtigt entwischen kann.

Hilfe, der Hund ist weg……

Bitte unterschätzen Sie niemals das Geschick oder die Kraft eines Hundes, der in Panik gerät. Hunde, die sich erschrecken, sind Meister darin, rückwärts aus Halsband oder Geschirr zu schlüpfen oder im „Schnellstart“ die Leine aus der Hand zu reißen und kopflos damit zu flüchten. In den ersten Tagen und ganz besonders bei unsicheren oder ängstlichen Hunden empfehlen wir deshalb die Verwendung von einem ausbruchsicheren Führgeschirr / Panikgeschirr (mit zusätzlichem Bauchgurt) und/oder die Verwendung einer sogenannten „Koppel“ (oder zweier Leinen), mit der man in der Anfangszeit den Hund doppelt an Halsband und Geschirr sichern kann.

Sollte Ihr Hund doch einmal entlaufen, benachrichtigen Sie uns bitte in jedem Fall direkt und melden Sie SOFORT ihren Hund bei den örtlichen Tierheimen und beim TASSO-Heimtierregister (24h-Notruf-Hotline: 06190 / 937300 oder www.tasso.net) als vermisst. Unsere Hunde werden von uns nach Vertragsabschluss mit ihrer Mikrochipnummer auf Ihren Namen bei TASSO registriert. Bitte befestigen Sie die TASSO-Marke, die Sie von uns oder direkt per Post von TASSO bekommen haben, immer an Halsband oder Geschirr. Sollte ihr Hund gefunden werden, kann er Ihnen so durch die Nummer auf der Marke schnell zugeordnet und zurückgebracht werden.

Zum Abschluss

Wenn Sie Fragen haben, sich in einem Punkt unsicher sind oder sich unvorhergesehene Probleme ergeben, scheuen Sie sich bitte nicht, uns oder auch direkt die ehemalige Pflegestelle Ihres Hundes anzurufen. Die Pflegefamilien kennen „ihre“ Schützlinge und können oft schon weiterhelfen.

Wir freuen uns immer riesig über Nachrichten unserer „Ehemaligen“. Wenn Sie mögen, schicken Sie uns gerne jederzeit Fotos und Rückmeldungen über die Zeit mit Ihrem neuen Familienmitglied.

Wir wünschen Ihnen eine tolle gemeinsame Zeit!

Projekt gelber Hund braucht Freiraum

Eine gelbe Schleife am Hund – getragen an Halsband, Geschirr oder Leine – kann ganz unterschiedliche Gründe haben, bedeutet aber immer:

Bitte halte Abstand!

Die Idee vom „gelben Hund“ (Gulahund/Yellowdow) kommt aus Schweden.

Sie wurde für Hunde entwickelt, die aus den unterschiedlichsten Gründen (z.B. Training, Angst, Heilungsphase nach Verletzung oder Krankheit, schlechte Erfahrungen mit Artgenossen, Läufigkeit usw.) zeitweise oder dauerhaft einfach mehr Freiraum bzw. Abstand zu fremden Hunden oder Menschen brauchen als andere Hunde. Diese Hunde werden mit einer gelben Schleife oder einem gelben Halstuch gekennzeichnet.

Die gelbe Markierung bedeutet, dass dieser Hund und sein Halter beim Spaziergang erstmal keinen näheren Kontakt zu anderen Hunden oder Menschen möchten. Wie groß dieser Freiraum sein sollte, unterscheidet sich natürlich von Hund zu Hund und kann einfach individuell zwischen den Haltern geklärt werden.

Wer uns schon einmal auf Festen und Veranstaltungen begegnet ist, erinnert sich vielleicht –> an unserem Stand haben wir in der Regel auch immer Info-Material, Flyer und gelbe Schleifen vom Projekt „Gulahund/gelber Hund braucht Abstand“ dabei. Weil wir die Idee dahinter super finden und gerade unter unseren Schützlingen immer wieder Kandidaten dabei haben, die aus gesundheitlichen, altersbedingten oder verhaltenstechnischen Gründen Abstand brauchen. Phasenweise oder generell.

Sie finden:
„Alles Blödsinn, das kennt doch Keiner und da hält sich doch eh niemand dran!“ ?

Wir finden :
Gegenseitige Rücksichtnahme rockt! Und sollte nicht nur unter Hundehaltern selbstverständlich sein! 🐶

Je mehr darüber gesprochen, gelesen und gehört wird, umso mehr Menschen lernen die Bedeutung hinter der gelben Markierung am Hund kennen und erinnern sich vielleicht bei der nächsten oder übernächsten Hundebegegnung daran.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Kampagne Gulahund und der Internetpräsenz vom Verein Gelber Hund und Freunde e.V. .